Georg Wilhelm Pabst 1885 - 1967

G. W. Pabst wurde am 27. August 1885 in Raudnitz in Böhmen geboren. Seine Eltern zogen nach Wien, wo er die Volks- und Realschule besuchte. Er sollte Ingenieur werden, bewarb sich aber auch für die Offizierslaufbahn, die er wegen Kurzsichtigkeit nicht einschlagen konnte, und startete schließlich am Konservatorium der Stadt Wien, wo auch seine ältere Schwester studiert hatte, sein Schauspielstudium.

 

Pabst in New York

Nach mehreren Jahren der Schauspielerei in der Schweiz, Deutschland und Österreich ging er 1910 an das Deutsche Theater in New York, um dort zu spielen. Nach seinen ersten erfolgreichen Arbeiten als Regisseur verlegte er sich immer mehr auf diese Tätigkeit.

 

Pabst vier Jahre in Gefangenschaft (I. Weltkrieg)

1914 beabsichtigte er, für kurze Zeit nach Europa zurückzukehren, um ein neues Schauspielerensemble nach New York zu bringen. Als er gerade auf einem Passagierschiff den Atlantik überquerte, brach der I. Weltkrieg aus. Beim Anlegen des Schiffes in Frankreich wurde er als feindlicher Staatsbürger von den Franzosen verhaftet und in ein Gefangenenlager nahe Brest gebracht. Bis 1919 dauerte diese Gefangenschaft, die er bei Theateraufführungen mit anderen Gefangenen im Lager überbrückte.

 

Pabst arbeitet immer öfter beim Film, als auf der Bühne

Nach Wien zurückgekehrt, begann er 1920 mit der Regiearbeit an einer Versuchsbühne (Neue Wiener Bühne). 1921 gründete er gemeinsam mit Carl Froelich seine eigene Filmgesellschaft. Nach drei Stummfilmen, in denen Pabst als Schauspieler bzw. als Regieassistent arbeitete, begann er auch in Filmen selbst Regie zu führen. 1925 drehte er in Deutschland seinen ersten großen Filmerfolg „Die freudlose Gasse“ mit Asta Nielsen, Werner Krauß und der damals noch unbekannten Greta Garbo. Dieser Film machte ihn und die Garbo bekannt.

 

Pabst experimentiert mit ersten Tonfilmen

Pabst arbeitete bald an Tonfilmprojekten und drehte zwischen 1926 und 1931 mehrere Filme in Deutschland und Frankreich. „Westfront 1018“, „Die Dreigroschenoper“ und „Kameradschaft“ waren die interessantesten. Für die Regie in „Kameradschaft“ erhielt Pabst den „Preis des Völkerbundes“ (Völkerbund = Vorläufer der UNO). Zwischen 1932 und 1939 filmte Pabst fast ausschließlich in Frankreich. Die Filme „L’Atlantide“ (Die Herrin von Atlantis), „Du haut en bas“ und „Mademoiselle Docteur“ (Spione in Saloniki) waren die erfolgreichsten. Mit dem berühmten russischen Opernsänger Fedor Schaljapin in der Hauptrolle verfilmte er den Roman „Don Quichotte“ von Miguel de Cervantes.

 

Pabst in Hollywood

Nur einmal, im Jahr 1934, arbeitete Pabst in Hollywood. Der Film “A Modern Hero“ wurde allerdings kein großer Erfolg, und Pabst beklagte sich über die amerikanische Art, Filme wie ein Industrieprodukt zu herzustellen.

 

Pabst und der II. Weltkrieg

Im April 1939 kehrte Pabst nach Österreich zurück, um Privatangelegenheiten zu regeln. Er hatte bereits eine Reise in die USA gebucht, als der II. Weltkrieg ausbrach. Er zog sich auf sein Landgut im südlichen Österreich zurück und drehte während des Krieges nur zwei historische Filme: „Komödianten“ und „Paracelsus“.

 

Pabst in der Nachkriegszeit

1947 entstand in Österreich sein erster Nachkriegsfilm „Der Prozess“, der ihm den Ehrenring der Stadt Wien bescherte. Er gründete wieder eine eigene Filmproduktionsfirma, die Pabst-Kiba-Filmproduktion, führte aber nur mehr gelegentlich Regie. Beim Film „La voce di silencio“, der in Italien gedreht wurde, betätigte sich Pabst wieder als Regisseur.

 

Pabst als Opernregisseur

Er übernahm schließlich die Regie für die Opernfreilichtspiele in der Arena von Verona und inszenierte auf dieser Riesenbühne die Opern „Aida“, „Troubadour“ und „Die Macht des Schicksals“. Nach der Gründung seiner Krones-Filmgesellschaft arbeitete er weiterhin in Italien.

 

Pabsts letzte Jahre

1954 wurde Pabst von einer deutschen Filmfirma eingeladen, einen Film über das Problem der Todesstrafe zu drehen: „Das Bekenntnis der Ina Kahr“. Mit den Filmen „Der letzte Akt“ (Hitlers Ende) und „Es geschah am 20. Juli“ (erfolgloses Attentat auf Hitler) erreichte Pabst den letzten Höhepunkt seines Schaffens, das auch mehrere Auszeichnungen brachte. Zwischen 1956 und1959 lebte Pabst in München, wo er seinen letzten Film „Durch die Wälder, durch die Auen“ drehte. Schon bei dieser Arbeit zeigten sich die ersten Anzeichen der Parkinson-Erkrankung, an der G. W. Pabst schließlich am 29. Mai 1967 in Wien starb.